Die Umwälzungen seit der kopernikanischen Wende – Fabian Schmidt

Die Umwälzungen seit der kopernikanischen Wende – Fabian Schmidt

Was wissen wir über die Einzigartigkeit unseres Planeten - und was folgt daraus?

Mit der kopernikanischen Wende begann eine Reihe von Revolutionen, die unseren Platz und unsere Rolle im Universum neu definierten. Zuvor galt in Europa das ptolemäische Weltbild, nach dem die Erde im Zentrum des Universums steht und von Sonne, Mond und Sternen umrundet wird. Mit dem kopernikanischen Modell wurde die Erde einer von zunächst sechs, später neun Planeten, die um die Sonne kreisen. Seit dem frühen 20. Jahrhundert wissen wir, dass auch die Sonne nur eine von Milliarden Sonnen innerhalb unserer Milchstraße ist und diese wiederum nur eine von mehreren Milliarden Galaxien in unserem Universum. Aber noch vor zwanzig Jahren konnten wir außerhalb unseres eigenen Sonnensystems keine weiteren Planeten nachweisen. Bahnbrechende Beobachtungen der vergangenen zehn Jahre haben mittlerweile tausende Planeten, die um andere Sterne kreisen, entdeckt. Bisher können diese Exoplaneten nur indirekt beobachtet werden, wobei man den winzigen Effekt nutzt, den die Schwerkraft der Planeten auf die Bewegung ihrer jeweiligen Sonne ausübt. Aber schon im nächsten Jahrzehnt wird auch die direkte Beobachtung von Exoplaneten möglich werden.

Vom Zentrum des Universums ist die Erde zu einem kleinen von vielen Milliarden Planeten geworden

Die bisher in unserer unmittelbaren kosmischen Nachbarschaft nachgewiesenen Planeten sind von enormer Vielfalt in Größe, Zusammensetzung und Temperatur (siehe Linktipp). Dutzende haben Temperaturen, die flüssiges Wasser auf ihrer Oberfläche zulassen würden und die somit mit Leben kompatibel wären.  Ihre Anzahl lässt den Schluss zu, dass die Mehrheit der Milliarden Sterne unserer Milchstraße von einem Planetensystem wie dem der Sonne umkreist werden. In gewissem Sinn stellt dies nichts als eine konsequente Weiterführung der kopernikanischen Wende dar: Vom Zentrum des Universums ist die Erde zu einem kleinen von vielen Milliarden Planeten geworden. Ändern diese Erkentnisse etwas an unserem Selbstverständnis als Menschheit? Natürlich muss auch diese neueste Entwicklung nicht der Schlusspunkt sein. Dazu wissen wir noch viel zu wenig über die tatsächlichen Bedingungen, die auf der Oberfl äche der erdähnlichen Exoplaneten vorherrschen. Völlig unbekannt ist auch, ob und wie häufig Leben auf diesen Planeten existiert. Was Exoplaneten betrifft, könnte unser Weltbild in Zukunft daher durchaus noch weitere Umwälzungen erleben. Klar ist, dass uns bis auf absehbare Zeit der Besuch anderer Planeten verwehrt bleiben wird. Wir müssen also alles dafür tun, um uns die Erde als einzig realistischen Lebensraum zu erhalten. Der Physiker Fabian Schmidt, Mitglied der Jungen Akademie seit 2016, forscht am Max-Planck-Institut für Astrophysik in Garching.
Linktipp: Unter folgendem Link der University of Chicago findet sich eine Zusammenstellung der komplexesten Exoplaneten-Systeme, die mit dem Kepler-Satelliten nachgewiesen wurden. Veranschaulicht wird die relative Größe der Planeten und ihrer Umlaufbahnen, wobei die letzteren nicht im gleichen Maßstab sind. Die Farbe der Planeten ist willkürlich und nur zur besseren Darstellung gewählt.

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